Lüdenscheid

Jugendforum Lüdenscheid: Lieber Papierhandtücher als Prestigeobjekte

Beim ersten Jugendforum im Lüdenscheid machten Jugendliche klar, was ihnen am Herzen liegt


Im gut gefüllten Foyer des Rathauses wird an sechs Thementischen eifrig diskutiert und geschrieben. Lüdenscheider Jugendliche stellen sich der Frage, was sie von Politik erwarten. Und sie erläutern ihre Ideen, wie einmischende Jugendpolitik auf Lokal- und Landesebene aussehen kann.

„Als ich vor ein paar Jahren das letzte Mal auf der Eisbahn in Lüdenscheid war, habe ich den halben Tag mit nassem Hintern auf der Heizung verbracht – so viel zum Thema Instandhaltung von Freizeitangeboten.“ Der Pechvogel erntet ein paar Lacher für seine Geschichte. Schnell kehrt jedoch der Ernst zurück in die Gesprächsgruppe. Jugendliche sitzen im Kreis um ein großes Plakat, auf das einer dick mit Edding das Wort Freizeitmöglichkeiten geschrieben hat. Nun überlegt die Gruppe, wie sie das Freizeitangebot ihrer Stadt bewerten soll. Gibt es genug Angebote? Sind die vorhandenen Möglichkeiten ansprechend, zeitgemäß und gut in Schuss? Fragen über Fragen.

Anlass der Diskussion ist das erste Jugendforum im Rahmen der Initiative „umdenken-jungdenken!“ des Landesjugendrings NRW. Um Jugendliche für Politik zu interessieren und ihren Stimmen Gehör zu verschaffen, werden in Städten und Gemeinden in ganz NRW in den kommenden Monaten solche Foren veranstaltet. Lüdenscheid machte mutig den Anfang. „Wir konnten überhaupt nicht einschätzen, wie viele Leute zu unserem Forum kommen werden“, gesteht Michael Heide-Gentz, Sprecher des Stadtjugendrings, der das Forum mit vorbereitet hat. „Partizipation: das ist so ein vages Thema. Wenn wir die Skate-Halle schließen würden, ständen hier mit Sicherheit hundert Mädchen und Jungen, aber bei einem solchen Projekt ist nichts sicher.“

Jugendliche bestimmten ihre eigenen Themen

Seine Sorge blieb unbegründet, denn an diesem Abend finden rund 60 Jugendliche Jugendpolitik überhaupt nicht vage. Viele haben ganz genaue Vorstellungen, was in Lüdenscheid anders laufen sollte und engagieren sich, wenn es um ihre Bedürfnisse geht. Das unterstützt auch Bürgermeister Dieter Dzewas: „Ich bin heute wirklich gerne hier, weil ich es wichtig finde, wenn die Jugend mit eingebunden wird und ihre Interessen vertritt."

An insgesamt sechs Tischrunden werden Themen diskutiert, die die Jugendlichen zu Beginn des Forums selbst wählen durften. Die meisten Stimmen erhielten die Themenbereiche Jugendkriminalität, Freizeit, Extremismus, Studium und ÖPNV. Zusätzlich gibt es einen gemischten Tisch, an dem alle ansprechen dürfen, was sie sonst so bewegt.

Schnell kristallisieren sich dort zwei Hauptthemen heraus: debattiert wird über Europa und über die Stadtentwicklung innerhalb Lüdenscheids. „Die Politik sollte vor allem einmal über die Verteilung des Geldes nachdenken“, findet der 14-jährige Phillip. „Vor dem Bahnhof bauen sie eine irre teure Lichtsäule und bei uns auf den Schultoiletten gibt es keine Papierhandtücher, weil wir sparen sollen. Das ist doch nicht richtig!“

Lars beschäftigt ein ganz anderes Thema: „In meiner Brust schlagen zwei Herzen, eins für Deutschland und eins für Europa“, eröffnet er der Gesprächsrunde. Gerne würde er die Nationalstreitigkeiten vergessen und Europa nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten als Einheit sehen.

Nach dem Jugendforum soll die Arbeit weiter gehen

Beim Thema ÖPNV sind die Forderungen, die die Jugendlichen gemeinsam erarbeiten, ganz konkret. Die Sicht behindernde Werbung an den Fenstern der Busse ist für sie ein großer Störfaktor, genau wie die langen Fahrzeiten in die umliegenden Städte und die fehlenden Nachtbusse.

Die Ergebnisse ihrer Gesprächsgruppen präsentieren die Jugendlichen am Ende des Forums in einem Plenum vor den anderen Teilnehmenden und einer Reihe Politikerinnen und Politiker, die zeitgleich zu den Gruppendiskussionen ebenfalls über selbst gewählte Themen aus dem Bereich Jugendpolitik debattiert haben.

Zuletzt werden freiwillige Vertreterinnen und Vertreter aus den Themengruppen gewählt, die sich in den nächsten Wochen näher mit den Ergebnissen und Forderungen auseinander setzten wollen, damit die frischen Ideen nicht vergessen sondern weiter verfolgt werden.

 

 

Video:

Stimmen:

„Ich finde es gut, dass die Politikerinnen und Politiker bei diesem Forum mitbekommen, was uns Jugendliche wirklich interessiert.“
Phillip (14)

„Ich bin sehr zufrieden mit unserem Workshop-Ergebnis. Ein so junges Team wie in Lüdenscheid motiviert meiner Meinung nach zu frischen Ideen.“
Jan (21)

„Besonders wichtig ist, dass jetzt auch etwas gemacht wird, nur reden ändert nichts.“
Nora (22)

„Angebote wie dieses Jugendforum sind sehr wichtig. Gerade was die Präventionsarbeit im Bereich der Jugendkriminalität angeht, glaube ich, dass offene Diskussionsrunden etwas bringen.“
Evelyn (22)

„Das Jugendforum war informativ und ausbaufähig an manchen Punkten. Beim nächsten Mal sollten noch mehr Jugendliche aus unterschiedlichen Kontexten angesprochen werden, damit eine größere Meinungsvielfalt abgebildet werden kann.“
Sönne (24)

„Das Jugendforum hatte eine wirklich positive Gesprächsatmosphäre. Man hatte wirklich das Gefühl, gehört zu werden. Wir werden sehen, was sich aus all den neuen Ideen ergibt.“
Irina (26)

Impressionen

Aus Lüdenscheid berichteten:
Esther Merkelt (Text + Fotos) und Vanessa Weber (Video)

Weitere Termine

Im Anschluss des Jugendforums soll sich eine „Expertenrunde“ bilden. Interessierte Jugendliche sind herzlich eingeladen daran teilzunehmen. Gemeinsam soll diese Runde im Januar 2014 den Jugendkongress im Landtag besuchen. Zwischen dem Termin des Jugendforums und dem Termin für den Jugendkongress sind einige Update-Treffen vorgesehen.

TERMIN JUGENDFORUM

7. Mai 2013

ORT

Bürgerforum des Rathauses der Stadt Lüdenscheid
Rathausplatz 2
58507 Lüdenscheid

Veranstalter

Stadtjugendring Lüdenscheid e. V.
Altenaer Str. 5
58507 Lüdenscheid
Telefon: 02351-674281
Telefax: 02351-674258
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Ansprechpartner:
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